Rätsel, Mythen und Legenden über die Meerspinne von Gimmeldingen

Neustadt-Gimmeldingen (pts033/20.08.2019/16:05) – Schon die Römer waren von den sonnenverwöhnten Lagen rund um das heutige Weindorf Gimmeldingen begeistert. 325 n. Chr. ließ ein gewisser Materninius Faustinus hier einen Tempel zu Ehren des Gottes Mithras errichten, dem Sonnengott. 1926 wurden die Grundmauern des Tempels entdeckt, ebenso ein Mithras-Reliefbild sowie Weihealtäre. Das Originalbild ist heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu bewundern, eine Nachbildung in einer Mauer etwa 50 Meter vom damaligen Fundort entfernt.

Bekanntlich brachten die Südländer neben ihrem Sonnengott auch den Wein nebst Mandelbäumen in die Pfalz. Und damit begann eine lange Reihe von Rätseln, Mythen und Legenden über eine Weingegend, die heute als Gimmeldinger Meerspinne weithin berühmt ist. Womit wir auch schon bei der erstaunlichen Geschichte rund um dieses Krabbentier aus Gimmeldingen sind…

Dreieckskrabben, Mehrspänner – was stimmt hier eigentlich?

Abbildungen der Dreieckskrabben, die auch Seespinnen oder eben Meerspinnen genannt werden, sind in diesem Weindorf, das vor 50 Jahren in Neustadt a.d.W. eingemeindet wurde, allgegenwärtig. Der Neustadter Rüdiger Füssl, ehemals ein Chemieingenieur bei BASF, ließ so ein Exemplar der Klasse Malacostraca in Kunststoff einfassen. Es wurde zum Maskottchen der Weinkenner unterschiedlichster Provenienz, die ab 24.8. durch die Gimmeldinger Großweinlage führen. Füssl selbst ist einer dieser kenntnisreichen Leute, Prof. Dr. Ludwig Koch von der DLR ein anderer – sowie rund ein Dutzend weitere Personen.

Und die bieten ihren Gästen etwas, das leider recht selten geworden ist: Eine Weintour, zwar nur knapp drei Kilometer lang, aber vollgepackt mit interessanten Informationen, Erlebnissen und köstlichen Wein-Genüssen. Darüber hinaus lüften sie für die Gäste endgültig auch das Geheimnis, was es mit dieser Meerspinne von Gimmeldingen tatsächlich auf sich hat. Gelöst hat es ein gebürtiger Lübecker, der 2018 verstorbene Pfälzer Heimatforscher Alfred Sitzmann.

Aber der Reihe nach. Kulinarisch harmonieren die köstlichen Gimmeldinger Weißweine hervorragend zu dieser Meeresfrucht. Das ist dann aber auch schon alles, was die Weine dieser Weinlage inhaltlich nachvollziehbar mit einem Krabbentier verbindet.

Gleiches gilt für die Informationen, die derzeit noch unter dem Begriff „Gimmeldingen“ und „Gimmeldinger Meerspinne“ auf Wikipedia zu finden sind. Hier heißt es, dass Marketingleute eine Kreuzspinne als Symbol eingeführt hätten. Doch habe der Name nichts mit dem Gliedertier zu tun. Es bedeute vielmehr „Mehrspänne“, mundartlich „Mährspänn“. Dieses wiederum leite sich von „mehrspännig“ ab, denn die Neigung der Hänge rund um Gimmeldingen hätte ursprünglich – bei beladenem Wagen – ein zweites Zugpferd notwendig gemacht. Sitzmann entlarvte allerdings auch das als etwas, das ins Reich der Mythen und Legenden gehört, aber mit der geschichtlichen Wahrheit wenig zu tun hat.

Ein gebürtiger Lübecker kommt der Gimmeldinger Meerspinne auf die Spur

Denn die wahre Bedeutung des Namens hat Heimatforscher Sitzmann bereits 1991 herausgefunden. Genauer gesagt: im Bayerischen Staatsarchiv in Bamberg. Hier stieß er per Zufall im Original-Zinsbuch der Loblocher Kapelle von 1476 auf die älteste urkundliche Nennung der Lagebezeichnung „Meerspinne“. Gleich neunfach fand er in dem Buch den mitteldeutschen Flurnamen „mere spin“ oder „merspin“. Der Forschung nach steht „mers“ dabei für ein feuchtes Gelände. Und „bin(n)“ für ein in Ortsnähe gelegenes Flurstück mit gutem Boden.

Aus dieser urspünglichen Weinlage beim Dorf Lobloch (Lobloch ging 1751 in Gimmeldingen auf) wurde später die zirka sieben Hektar große Gimmeldinger Meerspinne, die unter gleichem Namen 1970 zur Großweinlage aufstieg und heute auf zirka 846 Hektar 19 Einzellagen umfasst, verteilt auf mehrere Weindörfer und Gegenden von Neustadt. Vier dieser Lagen – Biengarten, Kapellenberg, Mandelgarten und Schlössel – gehören direkt zu Gimmeldingen. Und durch insbesondere die Einzellage Biengarten gehen auch die neuen Führungen.

Durchs „Reich der Meerspinne“ – die neuen Info- und Genuss-Touren

Jeden Mittwoch und Samstag ab 15 Uhr laden die Meerspinnen-Experten zu einem etwa 90-minütigen Spaziergang durch diese Großweinlage ein. Die erste Führung startet am 24.8., die letzte in diesem Jahr voraussichtlich Mitte Oktober. Preis inkl. Wein-Verkostung und Wein-Postkarte: 7,50 Euro

Ausgangspunkt der Touren ist der Gimmeldinger Kirchplatz mit seiner protestantischen Pfarrkirche. Von dort geht es zu einem kleinen, ganz besonderen „Weingarten“ am Kieselberg, zu „Pauls Plätzl“. Dieses gehört einem ehemaligen Gimmeldinger, der jetzt in Kaiserslautern lebt, aber die rund 300 Weinstöcke seines Plätzl immer noch selbst pflegt und betreut. Die Gäste sehen hier die 12 wichtigsten Rebsorten der Pfalz und können die Trauben auch probieren. Und wer mag, kann mit einem Refraktometer die Öchslegrade bestimmen.

Entlang des Weges erfahren die Teilnehmer dann alles Wichtige über die Arbeit des Winzers im Wingert, im Keller, über die aktuellen klimatischen Probleme, über Methoden der Schädlingsbekämpfung u.v.m. In der Weinlage Biengarten führt die Tour zu einem einzigartigen Geotop, wo „Terroir“ das Thema ist, die Zusammenhänge von Geologie und Weinbau.

Zum krönenden Abschluss der Tour geht es hoch zum König-Ludwig-Pavillon, einem achteckigen Gartenhäuschen, das König Ludwig I von Bayern gern besuchte. Er genoss hier mehrfach den herrlichen Blick, der bei gutem Wetter bis nach Heidelberg, zum Odenwald und zum Schwarzwald reicht. Die Gäste können die Aussicht bei anregenden Gesprächen mit einem – vielleicht auch mehr – Gläschen gut gekühltem Riesling genießen, der – selbstredend – der Meerspinne entstammt.

Anmeldungen sind möglich per E-Mail an gaestefuehrer.gimmeldingen@gmail.com oder telefonisch unter mobil: 0151-4453-4147. Weitere Infos zu Gimmeldingen finden sich auf den Webseiten http://www.gimmeldingen.de sowie http://www.neustadt.eu .

Und zum Schluss noch ein Tipp für alle TV-, und Wein-Fans: Im Herbst zeigt das Erste zur besten Sendezeit die neuen Folgen 3 und 4 der beliebten TV-Reihe „Weingut Wader“, die von Mai bis Juli 2019 in und um Neustadt a.d.W. gedreht wurden. Alle Infos zu den Drehorten der Folgen 1-4 gibt es demnächst bei der Tourist-Information, am Hetzelplatz 1 in Neustadt a.d.W. Eine E-Bike-Tour „Auf den Spuren von Weingut Wader“ ist in Vorbereitung.

Text dieser Pressemeldung: gika-press Giesbert Karnebogen, Paul-Friedländer-Str. 1, 65203 Wiesbaden, Tel.: 0611-18683-90, Mobil: 0171-6106861, E-Mail: gk@gika-press.de, Webseite: http://www.usecomm.de

Weitere Neustadt-Infos und Zimmerreservierung: Tourist-Information Neustadt an der Weinstraße Hetzelplatz 167433 Neustadt an der Weinstraße Tel. 06321-9268-92, Telefax: 06321-9268-91 ÖZ: Mo.-Fr. 9.30 bis 18 Uhr (Winter: bis 17 Uhr) E-Mail: touristinfo@neustadt.eu Websites: http://www.neustadt.eu und http://www.pfalztours.eu

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